ANALOG


FARBE


Man sagt analoger Film hat im Vergleich zum digitalen Abbild eines Sensors etwas organisches. Es wirkt echter, weicher, ohne dabei unscharf zu sein.
Hauttöne werden grundsätzlich als Hauttöne abgebildet, etwas, das in der digitalen Fotografie eines Weißabgleichs bedarf. Analoge Kameras funktionierten, sobald sie die Fabrik verließen. Film rein und es ging los. Bei den Filmen gab und gibt es durchaus markante Unterschiede, aber sie wurden eigens gefertigt, um ein bestimmtes Abbild (Farben & Kontrast) zu erzielen.

Auch bei den digitalen Sensoren gibt es selbstverständlich Unterschiede in der Abbildungsleistung, aber durch die Parameter einer digitalen Kamera bereits im mittleren Preissegment ergeben sich die Möglichkeiten von hundert verschiedenen Filmen, und es bedarf einiger Versuche, bis man die für sich persönlich passenden Einstellungen gefunden hat. Jedes Objektiv aus gleicher Produktion hatte damals einen eigenen Charakter. Die Kameras unterschieden sich nur in ihrem Funktionsumfang, funktionierten im Grunde jedoch alle gleich. Heute geben Objektive aus gleicher Produktion (abgesehen von Produktionsfehlern) exakt das gleiche Bild und durch rasanten technischen Fortschritt sind Kameras aufgrund ihrer Abbildungsleistung nur wenige Jahre später veraltet und nahezu wertlos.
Vielleicht liegt der Unterschied darin, dass Film dem Sehen nachempfunden wurde. Ein Sensor jedoch nicht das Auge, sondern Film emuliert.



Schwarz-Weiss


35 Jahre lang war die Fotografie monochrom bis James Clark Maxwell das erste Farbfoto präsentierte. Doch es benötigte noch einmal 35 Jahre bis farbfotografisches Material im Handel erworben werden konnte. Da es recht teuer und in der Farbwiedergabe eingeschränkt war, hielt sich das Verfahren jedoch nicht lange und wurde schlussendlich durch die Gebrüder Lumière und das uns heute als zweifelhaftes Vergnügen von Urlaubs-Rückblicken in Erinnerung gebliebene Dia-Verfahren abgelöst.

Doch, wie auch bei der Einführung des Farbfilmes im Kino, sahen viele darin keinen Fortschritt. Die Farbe wurde als hässlich und unnötig empfunden und die Kunst der Fotografie ihrer Eigenart beraubt. Zudem konnte Schwarz-Weiss-Film sogar an der Front in den geborgten Helmen von Kameraden entwickelt werden, während für Farbfilm ein professionelles Labor nötig war.
Und je massentauglicher Farbfilm wurde, in Werbung und in Form von Familienschnappschüssen Einzug erhielt, desto mehr verstärkte sich die Auffassung, dass ernsthafte Fotografie nur in Schwarz-Weiß stattfinden könnte. Doch die Kunst hat die merkwürdige Eigenschaft gegen sich selbst zu rebellieren und etwa 70 Jahre nach der kommerziellen Einführung der Farbfotografie brachen professionelle Fotografen mit der Konvention.
Noch heute findet sich jedoch ein Schwarz-Weiß-Filter in jeder Kompaktkamera oder auch im Smartphone. Doch auf den Spuren der Pioniere der Straßenfotografie wie Henri Cartier-Bresson oder Helen Levitt, bleibt nur der Griff zu analogem Schwarz-Weiß-Film.



X-PRO


Wie Newton durch Zufall entdeckte, dass das Licht aus unterschiedlichen Farbspektren besteht, so basieren viele Erfindungen auf einem Zu- oder Unfall. So muss ein Filmlaborant geschlafen und einen Dia-Film im C-41-Prozess anstatt dem E6er entwickelt haben und die Resultate, die der Foto-Enthusiast zurückbekam, waren anders, als das, was er erwartet hatte. Ein sehr intensiver Kontrast, fast surreale Farben mit einer grün-bläulichen Tönung und irgendwie außerweltlich. Ein Fehler, über den er sich natürlich beschwerte und sein Geld zurück bekam, wenn auch die schönen Urlaubsbilder dahin waren.

 

Vor 28 Jahren fanden Wiener Studenten bei einem Urlaub in Prag eine alte Kamera mit dem Namen Lomo LC-A. Eine sowjetische Produktion und, im Gegensatz zu anderen hochwertigen Erzeugnissen hinter dem eisernen Vorhang, von sehr minderwertiger Qualität, sodass nach der Wende niemand mehr eine besitzen wollte. Bilder wurden nicht immer scharf abgebildet, enthielten einen dunklen Rand (Vignettierung) und auch die Kontrastwerte ließen bestenfalls zu wünschen übrig. Doch der »Look« im Vergleich zur fast sterilen Reinheit & Gleicheit digitaler Fotografie hatte etwas eigenes und sie kauften Bestand im Ostblock auf und verkauften ihn in Österreich als Anti-Bewegung, der sie den Namen »Lomography« gaben. Es ging um Schnappschüsse, Spontanität und schlichtweg nicht zu wissen, was im Nachhinein dabei rauskommt.

Da dies bei der sogenannten Crossentwicklung (Cross Processing oder X-Pro beziehungsweise dem Fehler des Filmlaboranten) ebenfalls der Fall war, da unterschiedliche Filme auch unterschiedliche Ergebnisse (Farbverschiebungen etc.) hervorbrachten, wurde sie schnell Teil der Bewegung und auch anfänglicher Auslöser für mein Interesse an der analogen Fotografie.



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Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich nicht mit Sicherheit weiß, wie diese Bilder entstanden sind. Doch erinnere ich mich, dass ich einmal einen Film fand, der wohl schon belichtet war, aber noch nicht entwickelt. Ebenso wusste ich nicht, welche Fotos er enthalten sollte. Ich muss Lust zum experimentieren gehabt haben, denn ich zog mich in meine Dunkelkammer (das Badezimmer) zurück und belichtete ihn mit einem kaputten Sturmfeuerzeug und den Funken des Feuersteines Stück für Stück nach, packte ihn im Dunkeln in die Dose und brachte ihn zur Entwicklung.
Es handelt sich um eine bloße Vermutung, aber dieses Verfahren könnte das ein oder andere Bild erklären. Der Rest. Fragezeichen.