Schwarz-Weiss


35 Jahre lang war die Fotografie monochrom bis James Clark Maxwell das erste Farbfoto präsentierte. Doch es benötigte noch einmal 35 Jahre bis farbfotografisches Material im Handel erworben werden konnte. Da es recht teuer und in der Farbwiedergabe eingeschränkt war, hielt sich das Verfahren jedoch nicht lange und wurde schlussendlich durch die Gebrüder Lumière und das uns heute als zweifelhaftes Vergnügen von Urlaubs-Rückblicken in Erinnerung gebliebene Dia-Verfahren abgelöst.

Doch, wie auch bei der Einführung des Farbfilmes im Kino, sahen viele darin keinen Fortschritt. Die Farbe wurde als hässlich und unnötig empfunden und die Kunst der Fotografie ihrer Eigenart beraubt. Zudem konnte Schwarz-Weiss-Film sogar an der Front in den geborgten Helmen von Kameraden entwickelt werden, während für Farbfilm ein professionelles Labor nötig war.
Und je massentauglicher Farbfilm wurde, in Werbung und in Form von Familienschnappschüssen Einzug erhielt, desto mehr verstärkte sich die Auffassung, dass ernsthafte Fotografie nur in Schwarz-Weiß stattfinden könnte. Doch die Kunst hat die merkwürdige Eigenschaft gegen sich selbst zu rebellieren und etwa 70 Jahre nach der kommerziellen Einführung der Farbfotografie brachen professionelle Fotografen mit der Konvention.
Noch heute findet sich jedoch ein Schwarz-Weiß-Filter in jeder Kompaktkamera oder auch im Smartphone. Doch auf den Spuren der Pioniere der Straßenfotografie wie Henri Cartier-Bresson oder Helen Levitt, bleibt nur der Griff zu analogem Schwarz-Weiß-Film.