X-PRO


Wie Newton durch Zufall entdeckte, dass das Licht aus unterschiedlichen Farbspektren besteht, so basieren viele Erfindungen auf einem Zu- oder Unfall. So muss ein Filmlaborant geschlafen und einen Dia-Film im C-41-Prozess anstatt dem E6er entwickelt haben und die Resultate, die der Foto-Enthusiast zurückbekam, waren anders, als das, was er erwartet hatte. Ein sehr intensiver Kontrast, fast surreale Farben mit einer grün-bläulichen Tönung und irgendwie außerweltlich. Ein Fehler, über den er sich natürlich beschwerte und sein Geld zurück bekam, wenn auch die schönen Urlaubsbilder dahin waren.

 

Vor 28 Jahren fanden Wiener Studenten bei einem Urlaub in Prag eine alte Kamera mit dem Namen Lomo LC-A. Eine sowjetische Produktion und, im Gegensatz zu anderen hochwertigen Erzeugnissen hinter dem eisernen Vorhang, von sehr minderwertiger Qualität, sodass nach der Wende niemand mehr eine besitzen wollte. Bilder wurden nicht immer scharf abgebildet, enthielten einen dunklen Rand (Vignettierung) und auch die Kontrastwerte ließen bestenfalls zu wünschen übrig. Doch der »Look« im Vergleich zur fast sterilen Reinheit & Gleicheit digitaler Fotografie hatte etwas eigenes und sie kauften Bestand im Ostblock auf und verkauften ihn in Österreich als Anti-Bewegung, der sie den Namen »Lomography« gaben. Es ging um Schnappschüsse, Spontanität und schlichtweg nicht zu wissen, was im Nachhinein dabei rauskommt.

Da dies bei der sogenannten Crossentwicklung (Cross Processing oder X-Pro beziehungsweise dem Fehler des Filmlaboranten) ebenfalls der Fall war, da unterschiedliche Filme auch unterschiedliche Ergebnisse (Farbverschiebungen etc.) hervorbrachten, wurde sie schnell Teil der Bewegung und auch anfänglicher Auslöser für mein Interesse an der analogen Fotografie.