DIGITAL


STADT


In der sogenannten Straßenfotografie, aus dem Englischen "Street Photography" direkt übersetzt und als Genre übernommen, geht es sich jedoch nicht bloß darum, Straßen zu fotografieren. Doch so fing es durchaus an. Ende des 19. Jahrhunderts diente die Kamera der Dokumentation, insbesondere in Form der Reisefotografie. Bildbände aus China oder Indien schafften einen Einblick in fremde und damals unbekannte Länder. Wenige Jahre später begann Eugène Atgets seine Heimatstadt Paris in dem selben Licht zu betrachten, zu erforschen und zu porträtieren. Straßenzüge, Nischen, Geschäfte, Parks, Hinterhöfe, Treppen & die Menschen, denen er dabei über den Weg lief.

 

So bildet der Begriff "Street Photography" schlichtweg den Gegensatz zur Fotografie im Studio oder dem damaligen Atelier und lässt sich so besser als "On the street - Photography" verstehen oder als vielleicht passendere deutsche Übersetzung "Alltagsfotografie". Der Alltag, der durch die Aufhebung der selektiven Wahrnehmung in Form des Blickes durch den Sucher der Kamera plötzlich nicht mehr so alltäglich erscheint.



MENSCHEN


Meine Modelle sind die Menschen im Alltag. Mimik, Gestik, was sie tun, wer sie sind, worüber sie Nachdenken. Die Augenblicke. Porträts, die kein Fotoshooting im Studio hervorbringen kann, die man nur draußen findet. Authentizität. Haltung. Ästhetik. Alter. Mode. Emotionen. Kommunikation & Gedankengänge im Bruchteil einer Sekunde festgehalten.



SZENERIE


Die vergleichsweise einfachste Form der Fotografie. Einen Sonnenauf- oder Untergang gibt es schließlich überall. Und der Himmel ist auch nicht schöner über Berlin oder eben über Düsseldorf. Auch die Komposition ist nicht all zu herausfordernd, solange der Horizont, wie wir es nun einmal gewohnt sind, gerade ist. Insbesondere das Blau des Himmels bildet den angenehmsten Kontrast zu allen anderen Farben. Und gegen die Sonne ergibt sich leicht eine attraktive Silhouette. Auch handelt es sich hierbei um Bilder, die jeden Betrachter ansprechen. Postkarten- oder Souvenirmotive, da sie einen Ort von der schönsten Seite zeigen. Eben aufgrund von Einfacheit & Massenanklang lässt es sich auch der Straßenfotograf nicht nehmen auf den Auslöser zu drücken, wenn er gerade vorbei spaziert.



NACHT


Lange Zeit war es schlichtweg nicht möglich, die Nacht einzufangen. Filmmaterial, dem die heutigen digitalen Sensoren nachempfunden wurden, wie das Objektiv dem Auge, basierte auf Lichtempfindlichkeit. Kein Licht und es gab nichts zu sehen. Die Reichweite eines Blitzes war und ist schlichtweg nicht groß genug. Für Filmproduktionen mussten früher riesige Scheinwerfer eingesetzt werden oder im späteren Verlauf Practicals (Lichtquellen im Bild) mit stärkeren Leuchtmitteln bestückt.

Als Pendant in der Fotografie gilt Gregory Crewdson, der Filmbudgets in ein Foto steckt und auf diese Weise Fotos so ausleuchten lässt, als wären es Szenen aus einem Film mitsamt Darstellern. Die festgehaltenen Augenblicke sind nicht zu verachten, doch von Realismus weit entfernt.

 

In der Fotografie gab es schon früh die Möglichkeit der Langzeitbelichtung, wodurch sich bewegende Objekte jedoch dementsprechend verwischten. Ein höhere Lichtempfindlichkeit des Films konnte Abhilfe schaffen, brachte jedoch eine grobere Körnung und somit eine geringere Schärfe mit sich, genauso wie heute mit der Verwendung höherer Iso-Werte das Rauschen im Bild zunimmt, welches jedoch durch digitale Artefakte wesentlich unangenehmer zu betrachten ist. Durch immer höhere Lichtempfindlichkeit der Sensoren, Lichtstärken der bezahlbaren Objektive und Techniken zur Rauschunterdrückung lässt sich die Nacht leichter ablichten.

Doch sind Low Light-Aufnahmen für die meisten Kameras immer noch eine Herausforderung, wodurch der Aspekt der Stimmung & Atmosphäre im Gegensatz zur brillanten Schärfe & Abbildungsleistung in der Nachtaufnahme überwiegt.



NATUR


Seit jeher faszinierte die Natur die Maler. Und antike Völker verehrten sie wie eine Gottheit, bot sie schlichtweg die Nahrung, um zu überleben, und barg gleichermaßen eine ungemeine Zerstörungskraft. Doch stillte sie nicht nur unseren Hunger, sondern befriedigte auch ein visuelles Verlangen nach Schönheit. So viele Assoziationen, die durch Blüten, Bäume, Wasser oder der schlichten Freiheit eines Feldes geweckt werden. Bereits die Neanderthaler malten Tiere an die Wände ihrer Höhlen. Vielleicht um sie sich "nach Hause" zu holen, wobei der praktische Nutzen als Trophäe oder zur Planung einer Jagd und dergleichen wahrscheinlich im Vordergrund stand.

 

Doch liegt neben der Schönheit oder Harmonie noch etwas anderes im Blick eines Tieres. Etwas Fremdes, dass irgendwann weit zurück in unserer Entwicklung einmal vertraut war. Das für uns jetzt als gar nicht so harmonisch wahrgenommene wilde Wachstum. Die Rückeroberung, die Franz Hohler in seiner gleichnamigen Erzählung schildert. Ein Kampf.

 

Und so fremd, wie sich dem Stadtmensch die ländliche Geräuschkulisse darbietet, nahezu still, so wagt sich der Straßenfotograf in für ihn unbekanntes Territorium. Denn die Szenerie ist nur die halbe Wahrheit. 



ABSTRAKT


Nicht selten stößt der Fotograf auf Formen, Muster, Reflexionen, die den eigentlichen Gegenstand verfremden bis zur vollkommenen Unkenntlichkeit.
Abbildungen, die an etwas anderes denken lassen, als das, was eigentlich gezeigt wird. Ein schmaler Grad, da die Intention dem Betrachter ebenso Verborgen bleibt, wie der Gegenstand, und die reine Willkür nicht ausgeschlossen werden kann. 

 

Ebenso handelt es sich um einen Versuch die abstrakten Kunst nachzuahmen, jedoch ohne die Mittel eine Komposition zu konstruieren oder die Farben frei wählen zu können. So besteht die Wirkung in der Verfremdung, einer Surrealität, die im Grunde keine ist, denn die Kamera hielt sie ja so fest, also muss es real sein.



Schwarz-WeiSS


In der digitalen Fotografie ist schwarz-weiß ein durchaus schwieriges Pflaster. Haben wir doch die Möglichkeit mit einem Knopfdruck jeglichem Bild die Farbe zu entziehen. Doch ist auch dies ein Bereich für sich,denn den RGB-Kanälen lassen sich spezifische Grauwerte zuweisen, um einen ganz bestimmten monochromen Eindruck zu erzielen.

Schwarz-Weiß wirkt edel, klassisch, zeitlos. Automatisch assoziert der Betrachter Alter und damit gleichzeitig Fertigkeit. Kunst. Schwarz-Weiß ist nicht real. Flächen erscheinen glatt. Gesichter geschmeidig. Flecken verschwinden nicht, aber in Grautönen nehmen wir sie nicht als Unreinheit war. Selbst das evolutionspsychologisch in Unruhe versetzende Rot von Blut verliert die Wirkung, wird artistisch.

So verfällt das oberflächliche Auge schnell dazu, schwarz-weiß als besser zu empfinden. Daher habe ich es mir zur Regel gemacht direkt in der Kamera monochrom zu fotografieren, eben wie mit 35-mm-Film und der vorherigen Entscheidung, ob man mit Farbfilm oder S/W fotografieren möchte.

 

Doch kommt es vor, dass diese Regel gebrochen wird. Beispielsweise hat man ein interessantes Bild, aber das Rosa des Pullovers beißt sich mit dem Senfgelb der Reklame oder das Licht wird durch Nebeltropfen gebrochen, sodass der gesamte Hintergrund in einem matschigen Farbton versinkt. Dann kann der Filter in der Nachbearbeitung ein Bild retten. Ein kosmetischer Pfusch, der mich mit Scham erfüllt und daher abwägen lässt, ob das Bild es Wert ist oder nicht. Gleichermaßen lässt sich die Essenz eines Bildes betonen, wenn z. B. ein historischer Aspekt im Vordergrund steht, das Spiel von Licht & Schatten oder ein abstrakter Inhalt dargestellt wird.



Selbstporträt


Bei dem Selbstporträt handelt es sich ebenfalls um eine Nachahmung der Malerei. Der Künstler nimmt zu sich selbst Position ein. Er zeigt sich, wie er sich sieht zu einem Zeitpunkt in seinem Leben. In einem Spiegel nehmen wir uns nicht so war, wie die Umwelt es tut. Ab etwa einem Jahr versteht ein Kind, dass es sich selbst im Spiegel sieht und bildet zum ersten Mal das Konzept des Ichs. Davor existiert die Welt nur, weil es selbst existiert, nicht unabhängig davon. Das Selbstporträt überbrückt diese subjektive Wahrnehmung, da der Akteur vergisst, was er dachte, als es entstand, so wie, wenn man sich auf alten Fotos sieht. So will der Akteur zeigen, wie er sich selbst sieht, doch sieht sich dadurch so, wie seine Umwelt es tut.

 

Der Maler nahm einen Spiegel, um sich selbst zu malen. Der Fotograf nimmt das Spiegelbild, den Schatten oder wird zum Model.