Schwarz-WeiSS


In der digitalen Fotografie ist schwarz-weiß ein durchaus schwieriges Pflaster. Haben wir doch die Möglichkeit mit einem Knopfdruck jeglichem Bild die Farbe zu entziehen. Doch ist auch dies ein Bereich für sich,denn den RGB-Kanälen lassen sich spezifische Grauwerte zuweisen, um einen ganz bestimmten monochromen Eindruck zu erzielen.

Schwarz-Weiß wirkt edel, klassisch, zeitlos. Automatisch assoziert der Betrachter Alter und damit gleichzeitig Fertigkeit. Kunst. Schwarz-Weiß ist nicht real. Flächen erscheinen glatt. Gesichter geschmeidig. Flecken verschwinden nicht, aber in Grautönen nehmen wir sie nicht als Unreinheit war. Selbst das evolutionspsychologisch in Unruhe versetzende Rot von Blut verliert die Wirkung, wird artistisch.

So verfällt das oberflächliche Auge schnell dazu, schwarz-weiß als besser zu empfinden. Daher habe ich es mir zur Regel gemacht direkt in der Kamera monochrom zu fotografieren, eben wie mit 35-mm-Film und der vorherigen Entscheidung, ob man mit Farbfilm oder S/W fotografieren möchte.

 

Doch kommt es vor, dass diese Regel gebrochen wird. Beispielsweise hat man ein interessantes Bild, aber das Rosa des Pullovers beißt sich mit dem Senfgelb der Reklame oder das Licht wird durch Nebeltropfen gebrochen, sodass der gesamte Hintergrund in einem matschigen Farbton versinkt. Dann kann der Filter in der Nachbearbeitung ein Bild retten. Ein kosmetischer Pfusch, der mich mit Scham erfüllt und daher abwägen lässt, ob das Bild es Wert ist oder nicht. Gleichermaßen lässt sich die Essenz eines Bildes betonen, wenn z. B. ein historischer Aspekt im Vordergrund steht, das Spiel von Licht & Schatten oder ein abstrakter Inhalt dargestellt wird.