EPIK

Gott & die Welt (2020) | Kurzgeschichte

 

 

Gott & die Welt

 

Der war vielleicht komisch geworden. Erst hatte er ihn versehentlich etwas zu sehr in die Länge gezogen, und als er diesen Fehler beheben wollte, war er plötzlich zu dick und krümmte sich nach vorne. Zumindest rückte er ihn etwas gerade. Es gab ja noch mehr. Denn Zeit hatte er nicht viel. Wie es um ihn herum gewirbelt hatte und stellenweise bereits verklumpt war in grässlichen Formen, entgegen jedweder Harmonie. Wenn du allmächtig bist, schön und gut, aber womit fängst du an?

Es ging schnell, aber auch nur weil es schnell gehen musste. Das Zeug wurde verdammt schnell hart. Die Kugeln mochte er am liebsten. Zumindest konnte man sich daran nicht piken. Und wie sie so umherschwebten, ordneten sie sich durch ihre Größen nahezu selbst. Nicht in Reihefolge vom Größten zum Kleinsten, wie er es zuerst haben wollte, denn sobald er sie einmal so angeordnet hatte, setzten sie sich erneut von alleine in Bewegung.

Um die Größten kreisten viele Kleine, um die wiederum Kleinere kreisten und so alles irgendwie umeinanderkreiste, was zuerst unglaublich verwirrend war, aber, wenn man es länger betrachtete, hatte es durchaus etwas. Vielleicht war es sogar besser, als das, was er sich eigentlich überlegt hatte.

Hier und da half er noch aus, oder versuchte es zumindest, doch als er sah, wie in der Ferne nicht nur kleine Kugeln sich um größere und sich selbst drehten, sondern sich daneben dutzendfach das gleiche Spiel vollzog, und dieses Gewimmel mit unzähligen Kugeln gerade begann sich mit einem anderen ebenso imposanten Gewimmel zu verbinden, als würden sie tanzen, gab er auf.

Lieber erstmal eins ans Laufen bringen und dann gucken, was der Rest tut. Schließlich war ihm das auch neu. Schwieriger stellte sich heraus, wie er denn überhaupt das bewerkstelligen sollte.

Er wollte Harmonie, aber dafür brauchte es zunächst Ordnung, so trennte er erst einmal das, was unten sein sollte, von dem, was oben sein sollte. Und dann war es ihm zu Blau. Wenn denn das Eine schon blau war, dann sollte das Andere doch etwas abwechslungsreicher erscheinen. Bis er erstaunt feststellte, dass das Eine nur blau war, weil es diese merkwürdige Eigenschaft hatte, das Andere zu reflektieren, was jedoch wiederum ganz neue Möglichkeiten eröffnete, denn es reflektierte nicht bloß, sondern machte es irgendwie lebendig. Dass Wind bei der ganzen Sache entstehen würde, als er das Eine vom Anderen trennte, hatte er nicht bedacht, aber erfreute sich dessen ungemein, da er das, was reflektierte, veränderte.

So wollte er sich farblich nicht zu viel wagen, aber doch einmal schauen, wie es aussehen würde, wenn er etwas Grün hinzufügte. Ein Erfolg, denn es schien sich zu bewegen, wie das Blau, was keins war. Und es wuchs, aber nur da, wo er ebenso dieses Reflektierende hinsetzte, und mehr noch, es schien ineinander zu fließen und dabei neue wundersame Farben hervorzubringen, die er eigentlich nicht vermutet hatte. Aber er besann sich des Fehlers, den er glaubte, bereits zuvor einmal gemacht hatte, und wiederholte gleichermaßen seine Lösung, sich erstmal nur auf einen Ort zu konzentrieren. Bei diesem jedoch gab er sich unglaublich viel Mühe. Den Rest vergaß er voll und ganz, während er kreierte, das Reflektierende in kleinen, zierlichen Linien zog, und grüne filigrane Tupfer am Rand verteilte. Und während er sich an den wundersamen Farben, die sich dabei nach kurzer Zeit zeigten, erfreute, kam ihm eine weitere Idee. Aus dem Grün sollte etwas Neues entstehen, wie diese Gesteinsklumpen weiter oben, die aus der Ferne so aussahen, als würde sie aneinanderhängen, und daraus, schoss ihm schon der nächste Gedanke empor, soll wieder etwas entstehen, am besten, und da überraschte er sich selbst, etwas, aus dem wieder das Gleiche wachsen kann. Es war nicht nur äußerst erfinderisch, denn er dachte auch daran, sich dadurch etwas Arbeit ersparen zu können. Das Eine einmal in Gang gesetzt, könnte er sich schließlich um etwas anderes kümmern. Nur um was, da war er sich noch nicht sicher. Wie sehr ihn insbesondere dieses Reflektierende erfreute, tat sich doch noch nicht viel. Es verzauberte zwar das Grün und diese wunderschönen anderen Farben, die er sich einfach nicht erklären konnte, aber es stand alles immer an derselben Stelle, oder nicht ganz, aber es dauerte sehr lange, bis das, was er sich ausgedacht hatte, einmal abgeschlossen war, also bis sich etwas wie ein Tropfen löste, aus dem neues Grün wuchs.

Aber diese Idee, die im Grunde nicht seine war, des Windes mochte er sehr. Das Reflektierende, dem er den Namen Wasser gab, schlichtweg etwas Kürzeres, denn bereits bei der Überlegung stellte es sich als hinderlich heraus, dieses lange Wort zu verwenden, mochte er eben so gerne, aber nur, wenn der Wind, den er einfach nicht unter Kontrolle bekam, es kräuselte und aufwühlte, denn sonst tat es recht wenig.

Andere Farben hatte er schon, was ebenso eigentlich nicht seine Idee gewesen war, aber was, wenn diese sich bewegten, wie die Reflexion des Wassers durch den Wind? Alleine der Gedanke ließ ihn lächeln, sodass er es einfach ausprobieren musste. Aber erst einmal nur mit klitzekleinen Tupfern. Es geschah nicht viel, sodass er schon an seiner Idee zweifelte. Nicht nur an dieser Idee, sondern an dem Ganzen. Was tat er überhaupt da? Nicht nur der Rest dieser Kugel, aber auch alles andere weiter oben, sah vollkommen anders aus. Er hatte es einfach verpasst. Anstatt hier zu experimentieren, hätte er am Anfang einfach nicht so sehr zögern dürfen. Und jetzt war weder das eine noch das andere fertig.

Am liebsten hätte er noch einmal ganz von vorne angefangen. Aber das ging nicht mehr und so wollte er es am liebsten kaputtmachen, stieß Löcher in die Dunkelheit, eben um zu gucken, wie viele er machen könnte, bevor es dahin wäre. Aber auch das brachte ihm keine Genugtuung. Im Gegenteil fragte er sich jetzt, was das sollte, denn die Tanzenden riss es auseinander. Das war nun absolut keine Harmonie und doch wusste er nicht, wie er es aufhalten könnte, und wollte sich daher am liebsten einfach nicht weiter damit beschäftigen.

So widmete er sich wieder diesem kleinen, wundersamen Fleck, immerhin noch das Beste, was er in dem Ganzen zustande gebracht hatte. Und als er diesen so musterte, sah es doch eigentlich ganz gelungen aus. Zumindest wert genug, daran weiter zu arbeiten vor allem in Anbetracht dessen, was er da oben angerichtet hatte.

Die klitzekleinen Tupfer waren größer geworden, aber eben nur in dem, was er Wasser taufte, was schon interessant genug war, aber sie sollten sich auch über dieses Graubraune verteilen, auf dem das Grün in der Nähe des Blau so schön gedieh. So schubste er einen Tupfer hinüber, aber als dieser auftraf, gab es eben nur einen Fleck, der schnell bräunlich wurde. Irgendetwas war mit dem Grün geschehen, eben so, wie der Wind sich nur ergeben hatte, ohne dass dies direkt seine Absicht gewesen wäre, aber er wusste nicht was. So probierte er viel. Andere Farben, den Wind etwas in die Richtung zu blasen, den Tupfer mit etwas Wasser zu versehen oder das Grün einfach mal drüberzuwischen. Aber auch das brachte keine Verbesserung. Eher das Gegenteil. Bis er erneut an den Punkt gelangte, wo er am liebsten alles wieder mit Blau beziehungsweise dem Nicht-Blau, denn selbst der Name Wasser sagte ihm jetzt nicht mehr zu, überschwemmt hätte.

Doch wollte er auch partout nicht gucken, wie es oben läuft. Verständlicherweise. Und so betrachtete er den Rest der Kugel, den er im Grunde noch vor sich hatte, und wo viel von dem Blau, was keins war, von Braun ersetzt worden war. Und so traute er sich fast nicht mehr, zurückzublicken, da er vermutete, gleiches Chaos, wie oben, angerichtet zu haben. Aber als ihn die Neugier doch trieb, wandte er sich rüber. Und war stolz. Man kann es nicht anders beschreiben. Was er da gemacht hatte, war, wenn er es einmal längere Zeit nicht mehr sah, unheimlich eindrucksvoll auf ihn selber, eben als hätte er es nicht gemacht. Doch so fand er neuen Mut, sich abermals ans Werk zu begeben.

Die Tupfer wuselten nun überall umher, selbst auf dem Braun, was er sich nicht erklären konnte, und da er sich in anderen Farben probiert hatte, war es durchaus bunt, nicht ganz so bunt, wie das, was aus dem Grün entstanden war, aber es wurde recht voll. Er mochte den Gedanken sehr, den er eigentlich aus Faulheit gefunden hatte, dass an dem Grün etwas wachsen konnte, aus dem, wenn es zu schwer wurde und sich löste nach kurzer Zeit wieder Grün wurde, wobei das andere gleichzeitig die Farbe zu Braun wechselte, wodurch aber auch nie zu viel Grün an einer Stelle war. Sodass er versuchen wollte, Gleiches mit den Tupfern herzustellen.

Und noch als er den Gedanken weiter führte, sah er plötzlich, wie manche Tupfer andere aufnahmen, und sich dadurch immer neue Farben, wie von selbst erzeugten, ohne dass er noch etwas tun musste. Da verschwand eine und an einer anderen Stelle tauchte sie erneut auf, wuchs, krabbelte, schwamm oder flog, bis sie irgendwann wieder ganz langsam wurde, wenn sie nicht zuvor in einer anderen aufgegangen war. So sollte es erstmal bleiben.

Dann ließ ihn jedoch das Bild von oben, das er aus der Ferne gesehen hatte, wie sie tanzten und sich streichelten nicht los, denn das taten die Flecken da unten nicht. Zumal er der Annahme war, das Bild zerstört zu haben, und so gar nicht erst nachsehen wollte, um bestätigt zu werden. Aber, wenn das der Fall war, dann müsste er es hier aus der Erinnerung nachbauen, bevor diese verblassen würde.

 

Er gab sich sehr viel Mühe beim ersten Versuch. Erstmal nur einer, aber nicht in diesem Braunen, wo kein Wasser war, sondern hier, wo er so mühsam und doch so schön, ohne dass er in Selbstlob verfallen wollte, denn Fehler hatte er genug gemacht, etwas Eigenes geschaffen hatte. Aber es war nur ein Tupfer, den er aus anderen Tupfern zusammengedrückt hatte, wodurch sich, seiner Ansicht nach, eine abscheuliche Farbe ergab, mal dunkler, mal heller, aber doch irgendwie nicht so angenehm, wie das, was aus dem Grün entstanden war. Und auch dieses Gebilde streifte die anderen, nahm Farbe auf, sogar sehr viel Farbe, wodurch sich seine eigene jedoch nicht änderte. Aber diese sanfte Bewegung der Tanzenden, die er oben gesehen hatte, und die für ihn doch in dem Ganzen am nächsten war an Harmonie, die vollzog es nicht. Im Gegenteil kam es recht klobig daher, wie es versuchte einen Felsen zu schubsen, etwas, das bei anderen Tupfern geklappt hatte, um sich dann darauf zu setzen, was bei den anderen Tupfern eben nicht so erfolgreich verlaufen war.

So wie das Grün ins Blaue geflossen war, so wie er Himmel und Erde auseinanderriss, und dadurch versehentlich schaffte, was ihm doch so große Freude bereitete, so brauchte es etwas anderes. Vielleicht etwas, das mehr an die Blume, der Name, den er den Farben gab, die aus dem Grün sprossen, erinnerte, als das andere, das eher den Verhaltensweisen des Wassers entsprach, so wie es sich ebenfalls kräuselte, wenn der Wind zog, und obwohl es nicht reflektierte, kopierte es doch hin und wieder die anderen Tupfer in ihrer Art.

Und so werkelte er. Und wieder, aber so war er nun einmal, wollte er alles in den Sand schmeißen, wie er das Braune nannte, der dem Wasser ähnlich war, aber viel schwermütiger. Bis er plötzlich etwas schuf, das eigentlich dem Ersten sehr ähnlich war. Aber an diesem hatte er sich, ehrlicherweise, sattgesehen.

Aber das neue Andere, darauf hätte er vorher kommen sollen, nicht nachdem das Grün ins Blau gelaufen war, sondern von Anfang an. Diese Harmonie.

Und diese Figur machte ein Geräusch, das er zuvor, ebenso wie der erste Versuch, noch nie gehört hatte. Sie lachte. Dieser Begriff, kam ihm jedoch erst viel später, als er, da sie plötzlich Laute miteinander austauschten, genauer hinhörte, denn es waren bis dahin seine einzigen Geschöpfe, die dies taten. Zugegeben auch die anderen Tupfer machten gehörig Krach, wenn beispielsweise ein anderer großer Tupfer in der Nähe war. Aber doch hatte es nicht diese Harmonie, die eben seine letzten beiden Werke jetzt darboten, wobei das Erstere von dem Letzteren scheinbar dazu verleitet worden war. Ungefähr so hatte er es sich vorgestellt, aber in dieser Form, abgesehen von den Tanzenden dort oben, die, was er einmal festgestellt hatte, aus der Nähe gar nicht mehr so tanzend aussahen, kaum noch erwartet.

Doch es war wunderschön anzuschauen und zu hören, fast wie das, was die Tupfer taten, als er sie das erste Mal setzte, aber im Gegensatz dazu, wo seine Freude doch recht schnell verflogen war, tat sie dies nun nicht. Mehr noch, sie zeigte ihm wieder, wie wundervoll auch die Geräusche der Anderen waren, alle die sie vernehmen konnte, und nannte es Musik. Ein Wort, von dem er nicht mehr wusste, ob sie es zuerst sprach, oder er zuerst darüber dachte, aber es machte auch keinen Unterschied. Doch je mehr sie nun darüber sprachen, wie wundervoll das alles war, und, dieser Punkt ist nicht zu verachten, wie sehr sie sich gegenseitig wundervoll waren, dabei hatte er es doch eigentlich alles gemacht, gab er sich dem Schmeichel und dem Verlangen nach etwas, das er bis dahin nicht gekannt hatte, hin, ein Fehler, den er seit jeher bereute.

Es endete nicht gut. Er wollte Ordnung, eben diese Ordnung, die ihn Himmel und Erde trennen ließ, wobei, ohne dass er genau wusste, wie oder warum, der Wind entstanden war. Und ebenso rechnete er nicht mit dem, was kam. Im Grunde war ihm gleich, was sie taten, und so wusste er nicht ganz recht, wie er Ordnung machen sollte, aber etwas Ordnung sollte es schon geben. Er musste schlichtweg irgendwo anfangen, so wie er es eben auch auf dieser Kugel getan hatte. Und so sollten sie alles tun, was sie wollten, denn er genoss es sehr ihnen dabei zuzusehen, zumal sie dabei auf Dinge stießen, die er selbst noch gar nicht entdeckt hatte. Aber eine kleine und im Grunde unbedeutende Sache sollten sie nicht tun, um zumindest mal einen Anfang für Ordnung zu haben. So klein und unbedeutend, dass er eben nicht mit dem, was kam, gerechnet hätte.

Und als er sich einmal die Blöße gegeben hatte, musste er doch seinen Worten auch Taten folgen lassen, nahm sie auf und setzte sie schweren Herzens erstmal an einen anderen Fleck der Kugel, einen, der nach wie vor leer war.

Er könnte ja Neue machen.

 

Aber so, wie ihn sein kleiner Garten einst nicht losgelassen hatte, da er immerhin besser gewesen war, als all das andere. So ließen diese beiden verlorenen Tupfer ihm einfach keine Ruhe, bis er nachsah.

Und was sie taten, erstaunte ihn sehr. Denn eigentlich war er doch irgendwie davon ausgegangen, dass sie ebenso braun werden würden, wie das Grün, wenn kein Blau in der Nähe war. Aber sie machten einfach weiter, fast als wäre nichts gewesen, und, ohne sein Zutun, war es erstaunlich, wie sie sich ergänzten. Und lachten. Einfach so. Bloß, weil sie einander hatten. Und das erinnerte ihn wieder an den Tanz.

Vielleicht. Ganz vielleicht war es ihm nicht gelungen, die Tanzenden zu rekreieren, aber, und da war er sich zunächst absolut nicht sicher, vielleicht etwas Anderes. Besseres.

Zugegeben, es war doch noch ein gewaltiger Unterschied. Diese schwülstigen Gebilde in dieser grässlichen Farbe im Vergleich zu den aberduzend funkelnden, tanzenden Perlen. Und doch machten sie dieses Geräusch, was die Tanzenden nicht machten. Sie waren vollkommen stumm dabei gewesen. Im Grunde war es der Klang der Tanzenden, den er unabsichtlich kreiert hatte. Und mehr und mehr auch interessanter, als eben diese da oben.

Aber was kann es Größeres geben als Harmonie?

Vielleicht das, was er zuvor nicht beobachtet hatte, nicht bloß kopiert, sondern selber geschaffen. Diesen Kreislauf, den er eben schon bei dem Grün und den Tupfern bemerkt hatte und der ihn wieder an die Kugeln am Anfang erinnerte, die er eigentlich ganz anders ordnen wollte.

Und vielleicht würden sie ja besser. Mit jedem Mal und er brauchte nichts anderes tun, als bloß zuzuschauen, was ihm an dieser Idee am besten gefiel. Doch es brauchte lange, wie bei dem Grün, wo erst der Tropfen sich lösen musste, um zu versiegen, bevor neues Grün gedieh. So mussten mehr her. Er gierte nahezu nach besserer Harmonie, die er bei den ersten beiden Exemplaren vermutet und bewundert hatte, aber jetzt glaubte, nicht ganz erreicht zu haben. Kurzum er traute seinem Meisterwerk nicht.

Und mit jedem Paar, das er schuf, so hoffte er, wuchs die Wahrscheinlichkeit, dass es ihm noch besser gelingen könnte.

Was anfänglich noch leidenschaftlicher Schaffensdrang war, wurde jedoch mit der Zeit sehr anstrengend. Der eine zu lang, was er korrigieren wollte, wodurch er einen Buckel bekam, bei dem anderen war ein Stück zu groß oder zu klein, hier ein wenig zu viel, da ein wenig zu wenig und er machte den Fehler sich erneut seine ersten beiden Exemplare anzuschauen, die jetzt, wo er sie eine Zeit lang nicht gesehen hatte, wie auch einst mit seinem kleinen Garten, doch so überaus perfekt geraten waren. Auch ihre Harmonie versuchte er nun nachzuahmen, die doch eigentlich nun, da er auch die Tanzenden lange nicht gesehen hatte, genau das war, was er die ganze Zeit gesucht hatte. Und so bastelte er, drückte, zog und formte, wobei er, seiner Ansicht nach, jedoch nie wieder so nah herankam.

Wie zum Teufel hatte er es gemacht?

Einmal einen Namen brauchte es auch diesen. Vielleicht war es genau das, was zuvor gefehlt hatte. Doch wie er sein Werk nun so betrachtete, war er sich plötzlich gar nicht mehr so sicher, ob er überhaupt je damit hätte anfangen sollen. Viel zu verworren war ihm all das jetzt, in etwa wie am Anfang, als alles einfach viel zu schnell ging, um es zu sortieren.

Und doch, unabhängig von den teilweise merkwürdigen Dingen, die sie jetzt taten, war es doch das Beste, was er je kreiert hatte. Eine Zeit lang sah er nur zu. Mal versuchte er die Dinge zu ändern, aber es schien einfach keinen Unterschied mehr zu machen. Hin und wieder beobachtete er, wie wieder etwas Neues entstand, mit dieser unbändigen und doch kurzweiligen Euphorie, dass es wieder an seine Idee herankäme, die er inzwischen gar nicht mehr in Worte fassen konnte. Aber wenn er nicht mehr machte, wurde die Wahrscheinlichkeit wiederum geringer. Daher konnte er nicht überall schauen und erst abwarten, was wie wozu führen würde. Und wie ihm zuvor der eine oder andere Missgriff geschehen war, so konnte dies passieren, darauf hatte er keinen Einfluss mehr. Zumal bei einem eben solchen ja auch der Wind entstanden war, von dem er sich so gerne treiben ließ.

Aber es machte ihn auch hin und wieder nachdenklich. Umsomehr widmete er dann seine Aufmerksamkeit denen, denen er vorher keine geben konnte. Und wo er vorher noch versucht hatte, einzugreifen, ließ er es geschehen, schlichtweg, weil es alles so wundersam war, dass er nicht mehr wusste, wo, wann oder ob er eingreifen sollte, denn das eine, seiner Auffassung nach, eher misslungene, führten zu etwas Wundervollem, über Wege, die er nicht beschreiben konnte, weil selbst ihm die Worte fehlten. Und so sah er zu. Erfreute sich an dem Schönen, was seiner Meinung nach überwog, denn sonst hätte er es ja alles einfach wieder mit Blau wegputzen können, auch wenn er sich das insgeheim gar nicht mehr traute.

 

Und als er einmal, während er bereits wieder zweifelte, ob er es nicht von Anfang an besser hätte machen können, so wie es nun einmal in seiner Natur lag, oder vielleicht woanders zumindest einen neuen Versuch wagen sollte, und den Blick über die einstige Kugel, die nun aus einer etwas größeren Entfernung, wenn sie in ihrem eigen Schatten lag, Ähnlichkeiten hatte mit dem, was aus den Tanzenden geworden war, entdeckte er etwas an einem Fleck, an dem er glaubte, lange nicht geschaut zu haben. Es war eine dieser misslungenen Kopien. Einer dieser Tupfer in dieser grässlichen Farbe, die er nie hatte verbessern können. Aber dieser grässliche Tupfer gab sich außerordentliche Mühe, ihn zu verstehen.

 

Und auch wenn er dabei vollkommen auf dem Holzweg war, seiner Ansicht nach, faszinierte es doch, dass dieser Tupfer, der nur aus anderen entstehen konnte, weil er einst aus der Ferne Tanzende gesehen hatte, diese im Vergleich zu lang gewordene Figur, die von sich selbst behauptete, dass sie gar nicht an ihn glaubte, so viel Mühe unternahm, etwas über ihn zu notieren, was ihn doch zu der Annahme kommen ließ, dass er irgendwas in dem Ganzen unglaublich richtig gemacht haben muss.