Lyrik




Im Sand

 

Die Urzeit-Monster der Moderne,

die fressen kein Fleisch, sondern Erde

und jegliche Erinnerung.

Hier, dürfen Tote nicht mehr ruh'n.

 

Wenn fette Bäuche reichlich knurr'n,

dann weichen Häuser der Vernunft.

Jahrzehntelanges leises Murr'n.

Am Ende ist kein Weg herum.

 

Der Grund dafür ist tief versunken

und ganze Dörfer schon verschwunden.

Wo Kirchenglocken nicht mehr schlagen,

still Pausenhof und Kindergarten.

 

Wo Opa mit den Murmeln spielte,

der Oma auf das Kleidchen zielte,

des Bauern erstes Kalb entbunden,

der Jugendchor im Frei'n gesungen.

 

Einöde, wo sonst Kühe grasten,

flüchten selbst Ratten, vor dem Wahnsinn.

Kein Denkmalschutz hält ihnen stand.

Gefräßig bis zur letzten Wand.

 

Gezwungen, gibt kein and'res Wort.

Hier hat Geschichte einen Preis.

"Mach Heim an einem andern Ort!"

Ob jung, ob alt, hier alles gleich.

 

Synthetik-Seen, Natur in bunter,

nicht bald, erst zweitausendeinhundert.

Lang seit das schwarze Gold verbrannte,

der Geist zweifelt an sei'm Verstande.

 

Und "Werden sie denn jemals satt?",

fragt auch nur der, der nichts mehr hat.

Doch was nützt, klagen, beten, Kummer.

Nur Märchen hegen Wirtschaftswunder.

 

Wenn Fremde dann am Strand liegen,

die Sonnenstrahlen warm genießen,

werden sie sich noch erinnern,

derer, die ihre Häuser ließ'n?

 

Vergangenheit, so vergänglich.

Ein Schild im Sand stimmt bedenklich,
Liest: "Ja zur Heimat - Stopp ..."

 Der Rest durch Rost nicht mehr kenntlich.