BIOGRAFIE

 

MUSIK

(1984)

 

Ein heißer Sommertag im Juni neigte sich dem Ende. Siebenschläfer, der nach Bauernregeln den restlichen Sommer vorhersagen soll. Ein gewöhnlicher Mittwochabend, wenn nicht um 20.59 Uhr ein Junge geboren wäre. An sich ein Allerwelts-Ereignis und doch wird es es jedes Jahr bis ins hohe Alter zelebriert, vermutlich weil es eine Zeit gab, in der die erfolgreiche Geburt nicht so selbstverständlich war, wie heutzutage (in unseren Breitengraden). Ausgesucht hatte er es sich nicht, weswegen er vermutlich schrie. So, wie sich eben die Idee ihre Existenz nicht aussucht. Etwas, das lange Zeit als der göttliche Funke beschrieben wurde, liegt doch nicht weit Weg von dem Ereignis der Geburt.

 

Danach geschah lange Zeit nichts, nun einmal abgesehen von der Wiedervereinigung, dass der Junge großer Michael Jackson-Fan wurde, bei Kinderliedern häufig anfing zu weinen und eine Zeit lang Schrott sammelte. Dabei stieß er auch auf einen Plattenspieler mit Radio & Kassettendeck. Er war natürlich kaputt, doch mochte er das Gerät. Ein paar Jahre später sah er wie Leute damit rhythmische Geräusche erzeugten, als spielten sie ein Instrument. Dafür bekamen sie Applaus. Das wollte er auch.

 

 

Weihnachten

(1998)

 

So brachte mich der Hip-Hop-Hype der 90er zur Musikproduktion und an Heiligabend gab es einen Plattenspieler, dem im folgenden Jahr Sampler und Drumcomputer folgten. Bald kam auch das Texten hinzu und das Mikrofon zum Einsatz ganz zum Leidtragen des Restes der Familie, die sich doch fragen mussten, was dieser Junge da in seinem Kinderzimmer veranstaltete.

Doch man stieß auch auf Gleichgesinnte und anstatt bloß rumzuhängen, hing man halt rum und machte Musik. Es machte besonders.

Zeitgleich entdeckte man die ersten Filme, die anders waren, als das, was man im Fernsehen sah. Filme, die beunruhigten, schockierten und dabei tiefer drangen als einfache Horrorfilme. Natürlich plante man selbst einen Film zu drehen, aber über die bloße Theorie ging es nicht hinaus. Denn im Grunde, wusste keiner wirklich wie.

 

 

FERNWEH

(2003)

 

Im Unterricht schrieb ich Texte für die Musik. Auf English, was natürlich schwieriger war, als in der Muttersprache, und vielleicht deswegen. Sodass ich von dieser Ambition getrieben, als sich die Gelegenheit bot, nach Finnland zog, um auf einer englischen Schule, meine Kenntnisse zu verbessern. Ich war der finnischen Sprache nicht mächtig und lernte sie auch nicht in vier Jahren Aufenthalt. Zum einen sprachen alle Finnen Englisch, da in diesem Land nicht nachsynchronisiert, sondern alles im Originalton mit finnischen Untertiteln ausgestrahlt, wird. Zum anderen war mein deutscher Mitbewohner gebürtiger Finne und kümmerte sich so um behördliche Angelegenheiten. Doch dadurch lebte man, abgesehen von den internationalen Klassenkameraden, etwas abgeschieden von der Gesellschaft, anonym in einem dreizehnstöckigen Hochaus in einem Vorort von Helsinki.

Doch das Ganze hatte ja einen Grund gehabt, nicht der Abschluss, den ich an der Schule erwerben konnte, sondern die Musik, und die Schule und das Leben boten viel Zeit dieser nachzugehen. Nun am Computer. Wenn man Filme guckte, achtete man perfide darauf, ob es nicht hier oder da eine Melodie gab, die sich verwenden ließ, und man verbrachte viel Zeit jegliche Musik, ob Klassik, Jazz, Soul oder eben Soundtracks zu hören und einzelne Lieder auseinanderzuschneiden, um sie neu zusammenzusetzen (Samplen). Rum & Ehre gab es nicht, aber man träumte noch davon.

 

 

HEIMWEH ODER NICHT?

(2007)

 

Nach dem Abschluss kehrte ich zurück. Doch die Rückkehr war auch eine Rückkehr in die Realität. Bewerbungsgespräche. Den meisten Firmen sagte das erworbene AICE Diplom der Cambridge University nichts. Beglaubigen ließ es sich auch nicht, denn zu meinen Abschlussfächern gehörten zwar Psychologie, Englische Literatur & Geschichte, aber keine Naturwissenschaft. Auch war das Leben natürlich nicht stehen geblieben, doch fühlte sich so an. Man zog wieder im Elternhaus ein und war wieder der Sohn auf dem Dorf zugehörig zu einer Kleinstadt, deren höchstes Haus nicht über fünf Stockwerke hinausragte.

Wenn auch in der Zwischenzeit viel passiert war, wobei man natürlich über das Internet mit Freunden im Kontakt blieb oder die Heimat in den Ferien besucht hatte, hatte sich doch sehr wenig geändert. Als wäre man nie weg gewesen. Etwas, das durchaus ein Zeichen von Freundschaft ist, sich sehr lange nicht zu sehen und dennoch ist alles beim Alten. Doch gleichermaßen ernüchterte die Rückkehr.

 

 

FILM UND DAS ENDE DER MUSIK

(2009)

 

Das erste Musikvideo half dann eine Stelle als Mediengestalter Bild & Ton zu ergattern. Zurück in die Großstadt. Der Einstieg in den Videoschnitt fiel leicht, unterschied er sich doch wenig zu dem Schnitt von Musik. Nur das bewegte Bild kam halt hinzu. Auch bot sich zum ersten Mal die Möglichkeit, die Kamera selbst in die Hand zu nehmen und einen Kurzfilm zu drehen.

 

Der Traum des Musikers war längst noch nicht verblasst, aber eine zweite Idee war geweckt worden. Von der Musikproduktion zum Videoschnitt und vom Videoschnitt zum Drehbuch. Ich las viel über das Drehbuchschreiben. So ziemlich alles, was ich mir gebraucht leisten konnte, und lernte autodidaktisch, denn die Ausbildung schmiss ich hin, um mich als Editor selbstständig zu machen. Die Musik verfolgte ich nach wie vor, doch die Szene hatte sich geändert. In der vierjährigen Anonymität im Ausland war die Zeit für einen selbst in dieser Hinsicht nahezu stehen geblieben.

 

Mehr und mehr hörte man nur noch alte Sachen, da die Neuen nicht inspirierten, und das, was man machen wollte, hörte keiner mehr. Auch der Freundeskreis hatte sich so anderen Musikrichtungen zugewandt, sodass sich bald darauf die Frage nach dem Sinn & Zweck ergab.

Ich versuchte mich in elektronischer Musik, spielte Jazz ein, produzierte ein Instrumental-Album mit Zwischenschnitten aus Fritz Lang Filmen und irgendwann, als ich mich häufiger dabei ertappt hatte, die fertigen Stücke zu hören und mich zugegeben melancholisch zu fragen, warum es nicht geklappt hat, warum der Applaus ausblieb und schlichtweg der Traum ein Traum geblieben war, löschte ich eines Abends alles. Nicht nur von der Festplatte, sondern auch im Netz. Alles, was in zehn Jahren musikalisch entstanden war.

 

Ich war Mitte Zwanzig. So weit hatte ich nie geplant. Tatsächlich hatte ich irgendwann in der Jugend den Entschluss gefasst, gar nicht so alt zu werden. Eine Bewältigungsstrategie. Und nun war es doch so passiert. Ein Neuanfang. Ein neuer Traum. Filmemachen.

Ich drehte viel. Für Wettbewerbe, mit kleineren Erfolgen, für Schauspieler, die Material brauchten, und experimentierte mit dem filmischen Geschichtenerzählen. Was einst die Nischen-Regisseure Hollywoods waren, war durch internationale Filmkunst, insbesondere aus dem Jahrzehnt meiner Geburt und davor, abgelöst worden.

 

 

PROSA

(2011)

 

Und nachdem theoretische Texte über das Filmemachen ausgereizt waren, folgte klassische Literatur. Ich begann nicht nur Drehbücher zu schreiben, sondern Kurzgeschichten. Und das geschriebene Wort brachte sehr viel Freiheit mit sich.

An ein Drehbuch trat ich immer in dem Denken heran, dass ich es auch drehen können muss, was die Optionen sehr einschränkte. Ohne Budget gab es keinen Regen. Die Handlung musste in der Gegenwart spielen, große Castings kamen nicht in Anfrage, weswegen ich häufig für Darsteller schrieb. Ohne Lichteinsatz, der wiederum Budget erforderte, waren kaum Nachtdrehs möglich, und wenn die Bildqualität nicht am Standard kratzte, gab es nicht viel zu holen.

In der Geschichte konnte ich es Regnen, Donnern und Blitzen lassen. Sogar schneien. Wenn ich wollte, wurden Tage zu endloser Nacht, kein Make-Up, kein »Costume Department«,  nur das geschriebene Wort.

 

Doch natürlich ließ mich der Traum nicht los. Zumal das Filmemachen auf wesentlich mehr Bewunderung stieß, als das Schreiben. Auch genoss ich die Spannung, besonders an den Tagen bevor die Kamera lief, auch wenn ich morgens an Drehtagen dachte, dass ich den Tag nur irgendwie bewältigen muss, und mehr noch als erfolgreiche Regisseure in Interviews von der gleichen Nervosität berichteten. Natürlich gefielen auch die neugierigen Blicke & Fragen von Passanten, wenn eine Szene in der Öffentlichkeit gedreht wurde. Oder die Geschichten, die sich während eines Drehs ereigneten und zu Anekdoten wurden. Die Autorität, Anweisungen zu geben und Gehör zu finden. Man stand im Mittelpunkt, eine Lage, die ich sonst gerne vermied, weswegen ich eben so gerne schrieb für mich allein des Nachts an einem Thriller, Kinderbuch oder Kurzgeschichten für Wettbewerbe.

Und mehr und mehr trat die Überzeugung ein, dass man nicht als Hobby hin und wieder Filme dreht, sondern Filmemacher ist. Eine Identität. Eine Definition. Autorenfilmer. Im wahrsten Sinne des Wortes.

 

 

ANALOGE FOTOGRAFIE

(2013)

 

In den zehn Jahren zuvor hatte digitales Video langsam die Filmwelt verändert. Doch als Filmemacher wollte & sollte man doch verstehen, wovon sie sprachen, wenn sie Film glorifizierten, bevor sie sich der Technologie ergaben. So drehte ich einen Kurzfilm in 8mm, ein Projekt heutzutage zu kostspielig, um es zu wiederholen. Zeitgleich stieß ich auf eine Möglichkeit der Filmentwicklung, die wunderbar surreale Resultate hervorbrachte, und besorgte mir eine analoge Fotokamera. Die Erste war vollkommen mechanisch. Ein Gerät, das man einstellte, abdrückte und erst später entdeckte, was dabei entstanden war. Ein faszinierender Prozess, bis die Kamera ihren Geist aufgab, doch führte er mich an verbotene Orte, Abenteuer, die mit Glück ohne Anzeige bewältigt, irgendwie mehr gaben, als der Grillabend mit Freunden, und gleichermaßen für den nächsten Gesprächsstoff und Anschauungsmaterial boten. Cartiers entscheidender Moment.

 

 

KUNST

(2014)

 

Man sagt mit dreißig kehrt eine Wende im Leben ein, ein neues Interesse, das man entdeckt, eine Idee oder eine Beziehung. Hatte man sich doch immer ein bisschen für Kunst interessiert, in der Jugend für Dalis Surrealismus oder später die düsteren Visionen eines Bosch und den Fotorealismus eines Vermeer, ging es über die oberflächliche Bewunderung, das Ideal der Kunst zu schätzen, während man Abstraktes ablehnte, nicht hinaus. Die Vergleichsweise einfache Akzeptanz & Toleranz, dass Kunst alles sein kann, da sie im Auge des Betrachters liegt. Aber die Autoren & Regisseure, deren Spuren man versuchte zu folgen, behandelten sie auf eine andere Art & Weise. Sie nahmen sie zum Vorbild. In einfachster Form anhand von Bildkompositionen, die sich an Gemälden orientierten, in der höchsten Form Gleiches zu schaffen, mit Bildern & Worten anstatt Farben. Eine Zusammenführung aller Künste als siebte Kunst.

 

Wenn ich denn Filmkunst machen wollte, sollte ich doch in der Lage sein, zu sagen, was Kunst ist. Bücher. Doch was ich fand, war mehr als die Antwort auf diese Frage. Zum einen ist ein Verständnis von Kunst mit einem Verständnis von Geschichte verknüpft. Wenn man die letzten 10 Jahre verstehen möchte, muss man einen Blick auf die letzten 50 werfen, um diese zu verstehen, auf die letzten 100 und so weiter. Nun, wenn man so 500 Jahre betrachten kann oder gar 1000, werden 100 Jahre ein sehr kleiner Zeitraum und die eigene Lebenszeit ebenso. Das Interessante ist dabei auf Menschen zu stoßen, die vor 2000 Jahren den gleichen Humor hatten, wie man selber. Und wenn ich vorher dachte, dass niemand so denkt wie ich, gleichermaßen selbstverständlich das Verlangen des Individuums einzigartig zu sein, fand ich sie plötzlich in der Kunst. Außenseiter, Randfiguren & Schaffende, deren Gedanken, wenn sie sie in Schrift niederlegten, so leicht nachzuvollziehen waren, während alles andere und gegenwärtige Skepsis hervorrief. Zum ersten Mal in meinem Leben, und dabei zugegeben sehr spät, hatte ich das Gefühl einen Platz gefunden zu haben. Eine Nische im Mauerwerk der Welt. Das Problem: Ich war kein Künstler.

 

 

DER ERSTE SPIELFILM UND DIGITALE FOTOGRAFIE

(2016)

 

Nachdem ein Dreh buchstäblich ins Wasser gefallen war, da plötzliches und ungewolltes Regenwetter zum Abbruch führte, ein Dreh, für den extra eine teure Kinokamera ausgeliehen wurde, und die Finanzen es nicht zuließen, dies noch einmal zu wagen, wollte ich mich von dem Versuch, eine Kinoqualität ohne Kinobudget zu erlangen, lösen. Schließlich hatten die erfolgreichen Regisseure einst auf 16mm angefangen. Schließlich ging es mir darum eine Geschichte zu erzählen und keinen Blockbuster zu drehen.

 

Von dem wenigen Geld, das zur Verfügung stand, konnte ich eine veraltete HD-fähige Fotokamera ersteigern. Erst noch der analogen Fotografie verwidmet, konnte ich jetzt innerhalb eines Augenblickes sehen, was ich fotografiert hatte. Natürlich hatte ich zuvor mal eine digitale Kamera in der Hand gehabt, um bei einer Geburtstagsfeier ein Foto zu knipsen oder dergleichen, aber nie um gestalterisch zu arbeiten. Und es war so viel günstiger, als die Entwicklung, insbesondere wenn die Analoge einen Defekt hatte und aus vier Filmen nur sechs Bilder brauchbar waren. Doch verachtete ich nach wie vor die Automatik. Da ich ohnehin zu einem großen Teil alte Objektive verwendete, blieb mir auch nichts anderes übrig. Allerdings hatte ich so die Möglichkeit zu trainieren. Die spontane Bildkomposition der sogenannten Street Photography und die Passanten wurden zu Modellen. Das Set? Der Alltag.

 

Das nächste Filmprojekt sollte so nur mit dem entstehen, was da ist und daher auch ohne Budget, denn ich hatte keine Arbeit. Ein kurzer Experimentalfilm über Europa, da mir in der gesamten Berichterstattung zu dieser Zeit, natürlich ausgelöst durch mein erwecktes Interesse für Kunst & Geschichte, etwas fehlte.

Da die Videos der Kamera in Farbe eine ungenügende Qualität aufwiesen, besonders, wenn kein Licht vorhanden war, drehte ich in Schwarz-Weiß. Aber nur ein Experiment, wie schwarz-weiße Landschaften, unerkennbare Details, eine Autofahrt, Stacheldraht mit europäischer Flagge im Wind mit Musik oder Kommentar unterlegt, reichte nicht. Europa konnte ich nicht zeigen. Aber die Geschichte von Europa anhand von Bildern unter einer Wasseroberfläche schon.

 

 

WEIHNACHTEN

(2016)

 

So stand ich Heiligabend vor meiner Badewanne. Ich brauchte Dreck, um das zu reproduzieren, was ich einst in Tarkovskys »Stalker« (1987) sah, und die Passanten müssen sich gefragt haben, was in Deutschland los ist, wenn ein Mann im Park Dreck sammelt.

Wie es im Film häufig die kleinste Kleinigkeit ist, die sich als großes Hindernis herausstellt, trieb mich der tropfende Wasserhahn nahezu in den Wahnsinn. Es brauchte Bewegung. Ein Ventilator, der Wind simulierte, aber auch die Wellen des gleichmäßigen Tropfens, wie Regen.
Nun, ein leckender Wasserhahn führte schon den Autoren in
»Das weiße Blatt« in den Wahnsinn, aber einen Wasserhahn so einzustellen, dass er im richtigen Rhythmus leckt, was gleichermaßen bedeutete, dass man ihn nicht zwischenzeitlich abstellen konnte, da das Einstellen bereits Zeit in Anspruch nahm, beanspruchte gleichermaßen die Nerven.

Doch auch das reichte nicht, wenn es nicht in eine Geschichte, eine Handlung, eingebunden wurde. Also brauchte ich ein Drehbuch & Darsteller. Aus einem kurzen Experimentalfilm wurde im Laufe des Jahres 2017 mein erster Spielfilm. Der Traum, der in der Jugend Traum geblieben war, war keiner mehr, und der gescheiterte Musiker durfte den Soundtrack einspielen.

 

 

FREIER AUTOR & FILMEMACHER

(2018)

 

Doch der fundamentale Unterschied zwischen Traum & Realität liegt darin, dass der Traum prinzipiell nicht in Erfüllung geht. Nur dadurch ist es möglich, mit der vermeintlichen Erfüllung andere Bedürfnisse zu verknüpfen, und zugehörige Konsequenzen auszublenden.

Der Traum ist die Frage »Was wäre wenn?«

Die Realität ist die Frage »Und jetzt?«

Hatte ich doch die Kenntnisse & Fertigkeiten einen Film zu machen, mangelte es an selbigen diesen zu verwerten. Nun ist Arthouse ein Genre, das sich nicht unbedingt für Online-Marketing anbietet. Er sollte gezeigt werden. Viele Bemühungen führten gerade mal zu zwei Vorführungen. Für Filmwettbewerbe war er zu lang, zu kurz, zu gering budgetiert oder zu alt, da ich ihn erst im Folgejahr einreichte. Von denen, die übrig blieben, wurde er schlichtweg nicht genommen. Die erneute Rückkehr zur Realität. Auch der Versuch aus dieser Arbeit ein wenig Wahrnehmung als Filmemacher zu erlangen, wurde nicht entlohnt. Vielleicht war ich ja gar keiner.

 

 

KLEINE BRÖTCHEN BACKEN

(2019)

 

Wie der Süchtige, der nach dem nächsten Fix sucht, sollte nur ein Jahr später der nächste Spielfilm folgen. Aufbauend auf dem gescheiterten Dreh aus 2016, sollte es das Werk werden. Der Film, der ihn letztendlich zum Filmemacher machen sollte, ein Film, für den er erneut seine Anstellung kündigte, um zu drehen, und alles auf eine Karte zu setzen.

 

Ich war nie ein guter Poker-Spieler. Sehr viel Arbeit scheiterte letztendlich an Geld, Bürokratie, Organisation & Selbstzweifel.

Man muss nur lang genug gegen die Wand laufen, dann folgt der Durchbruch von ganz alleine, doch fragt der gesunde Menschenverstand, ob das, was dahinter liegt, das Kopfzerbrechen wert ist.

Der Künstler allerdings zerbricht sich den Kopf auch ganz ohne Wand. Er will der Welt und letzten Endes sich selbst etwas beweisen. Doch was es ist, weiß er nicht. Es liegt ihm ständig auf der Zunge, lauert und entpuppt sich als bloßer Schatten, wenn er allen Mut zusammennimmt und es zu stellen versucht. Nur nicht nach unten sehen. Vielleicht ist der Weg, auf dem du glaubst zu gehen, gar keiner.

 

Doch der Mensch lernt früh im Leben, dass auf einen Schritt der nächste folgen muss, sonst verliert er das Gleichgewicht.

 

 

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(2020)

 

Nun könnte ich an dieser Stelle große Prophezeiungen für die Zukunft treffen, aber ein ebenso großer, wenn auch vergleichsweise unbekannter Mensch, lehrte mich, dies nicht zu tun, da ich es einfach nicht weiß.